Forschungsobjekt Mehrgenerationenhaus
Forschungsobjekt: Mütterzentren/Mehrgenerationenhäuser
Seit ihrem Bestehen sind Mütterzentren/Mehrgenerationenhäuser Forschungsgegenstand verschiedener Institutionen. Die Zusammenarbeit zwischen Theorie und Praxis ist für beide Seiten fruchtbar. Zwei aktuelle Beispiele kommen aus Hamburg und Salzgitter.
Nachbarschatz reagiert auf gesellschaftliche Trends
In einem Seminar über die Konsequenzen des demographischen Wandels untersuchten Studenten der Bundeswehr Universität die Wirkung des Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser am Beispiel des MGH Nachbarschatz in Hamburg Eimsbüttel. (hier geht’s zur Studie)
Fünf Trends formulierten die Studenten am Anfang ihrer Arbeit: die „Verjüngung des Alters“, also die Tatsache, dass Menschen auch bis ins hohe Alter aktiv sind, immer mehr Menschen, finanziell abgesichert früh in die Rente gehen, sowie Vereinzelung, mangelnde Kontakt zur Familie und eine Feminisierung des Alters, weil Frauen eine höhere Lebenserwartung haben.
Die Studenten gingen der Frage nach, ob der Nachbarschatz der Idee gerecht wird, eine Art Dorfgemeinschaft für den Stadtteil Eimsbüttel zu schaffen, um so der Vereinsamung entgegenzuwirken und die Potenziale der Einwohner zu nutzen. Dafür wurde untersucht, wer sich wie im Nachbarschatz aktiv einbringt.
Mehr als die Hälfte der Nutzer und Aktiven sind zwischen 30 und 49 Jahren, zum großen Teil weiblich und fungiert als Mittler zwischen allen anderen Generationen. 67% der Befragten besuchen schon seit über einem Jahr den Nachbarschatz und geben ihm eine bedeutende Rolle in ihrem Leben. 20% der Besucher, so die Studenten, können zur bildungsfernen Schicht gezählt werden. Positiv sei, dass die älteren Besucher aktiv in die Kinderbetreuung einbezogen werden. Sie sind es auch, die für die die haushaltsnahen Dienstleistungen besonders wichtig sind.
Das Fazit der Studenten: Der Nachbarschatz ist ein öffentlicher Treffpunkt mit familiärer, weltoffener Atmosphäre, wo Begegnung, interkultureller Austausch, Betreuung, Beratung und Bildung ohne Berührungsängste stattfinden kann.
Von der Mütterzentrumsgründerin zur Sozialunternehmerin
Eine von der Hans Böckler Stiftung geförderte und der Freien Universität durchgeführte Studie geht der Frage nach, wie Sozialunternehmer den öffentlichen Dienst beeinflussen und verändern können. Dafür wurde Hildegard Schooss interviewt. Als geistige Patin des Konzepts der Mütterzentren und Mehrgenerationenhäuser gilt sie als Expertin für den Bereich soziale Verantwortungsübernahme und privates Bürgerengagement. Die Ergebnisse der Studie werden Anfang nächsten Jahres veröffentlicht. (bs)